Pressemitteilung des Nordfriisk Instituut, 2026

 

600 Jahre friesische Freiheit in Eiderstedt: Einzigartiges Rechtssystem feiert Jubiläum

Wie viel Mittelalter steckt heute noch in unserem Alltag? Im Frühjahr laden der Heimatbund Landschaft Eiderstedt in Garding und das Museum Landschaft Eiderstedt in St. Peter-Ording zu zwei besonderen Abenden ein. Im Mittelpunkt stehen das 600-jährige Jubiläum des besonderen Eiderstedter Landrechts und damit verbunden der Mythos der friesischen Freiheit.

600 Jahre „Krone der rechten Wahrheit“

Den Auftakt macht die Juristin Isabella Löw am 19. März um 19:30 Uhr im Kulturhaus/Stallerhaus in Garding. Sie befasst sich mit dem vielleicht wichtigsten Rechtstext Eiderstedts: Im Jahr 1426 wurde die „Krone der rechten Wahrheit“ erstmals schriftlich fixiert.

Isabella Löw

Isabella Löw

Geschickt nutzten die Eiderstedter die politische Krisenzeit, um zu verhindern, dass Herzog oder König die gewohnten, bis dahin rein mündlich überlieferten besonderen Rechte der Dreilande antasteten.
Isabella Löw hat im Rahmen ihrer Promotion intensiv zu diesen Aufzeichnungen geforscht und gezeigt, wie manche Regelungen den Eiderstedtern so wichtig waren, dass sie noch bis in die Neuzeit gültig bleiben. Löw stellt die Brücke zur Gegenwart her: Warum regeln wir unser Zusammenleben so, wie wir es heute tun? Welche Wurzeln haben unsere Mit- und Selbstbestimmungsrechte? Im Anschluss an den Vortrag ist das Publikum ausdrücklich eingeladen, mitzudiskutieren.

„Friesische Freiheit“: Mythos und Realität

Am 21. Mai um 19:00 Uhr folgt im Museum Landschaft Eiderstedt in St. Peter-Ording ein weiteres Highlight, das an den Grundfesten regionaler Überzeugungen rüttelt. Christoph G. Schmidt, Direktor des Nordfriisk Instituut, nimmt die „Friesische Freiheit“ unter die Lupe, jenen Leitbegriff, der wie kein zweiter unsere regionale Identität definiert.

Christoph G. Schmidt

Christoph G. Schmidt

Doch was verbirgt sich hinter dem stolzen Slogan der unbeugsamen Friesen? Und was haben Landschaft und Naturraum damit zu tun? In einer fundierten Analyse stellt Schmidt die tatsächlichen Privilegien der Vergangenheit populären Mythen gegenüber. Er trennt die historische Realität von späterer Legendenbildung und geht der Frage nach, wie viel echte Freiheit damals wirklich existierte, wie die „friesische Freiheit“ zustande kam, vor allem aber, was die Nordfriesen des späten Mittelalters darunter verstanden. Ein spannender Abend für alle, die wissen wollen, was von den alten Rechten heute noch unser Denken und unser Selbstverständnis prägt.

Die Termine im Überblick:

Text: Henriette Boysen

Bildanlage:
Christoph G. Schmidt, Direktor des Nordfriisk Instituut, Foto: Lotta Schneider
Isabella Löw, Rechtsanwältin, Foto: privat


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